2006 nur noch 48.000 Neubau-Wohnungen

LBS: „Wir bauen in NRW jährlich mindestens 10.000 Wohnungen zu wenig!“
Nach Hochrechnungen der LBS West sinkt die Zahl der Neubau-Wohnungen in NRW bis zum Jahresende erstmals seit siebzehn Jahren wieder unter die Marke von 50.000. Zwar wird sich die Zahl 2007 kurzfristig stabilisieren, weil viele Bürger vor Abschaffung der Eigenheimzulage noch schnell einen Bauantrag eingereicht haben. „Dafür fällt der Rückgang danach um so stärker aus. Die Genehmigungszahlen lassen seit Juni bereits deutlich nach“, so LBS-Chef Dr. Christian Badde. Nach seinen Einschätzungen werden dann jährlich mindestens 10.000 Wohnungen zu wenig gebaut.

Derzeit gilt der Wohnungsmarkt zwischen Rhein und Weser zwar rechnerisch als weitgehend ausgeglichen. Die Zahl der Haushalte wird aber bis 2020 weiter ansteigen – pro Jahr um 30.000. Zusätzlich wird mit anspringender Konjunktur der generelle Bedarf an Wohnraum in den Boomregionen deutlich anziehen. Auch die Abrisse nicht mehr zeitgemäßen Wohnraums nehmen zu. Selbst wenn nur drei von 1.000 Bestandswohnungen jährlich ersetzt würden, sind das über 25.000 Wohnungen. Das hieße, dass jede Wohnung 300 Jahre nutzbar sein müsste. Tatsächlich ist aber schon der unmittelbare Nachkriegsbestand oft nicht mehr sanierungsfähig. Badde: „Der Bedarf liegt also konservativ geschätzt bei 55.000 Wohnungen, bereits 2008 werden wir aber gerade noch 45.000 Wohnungen bauen.“

Betroffen von dem derzeitigen Rückgang ist inzwischen auch der selbstgenutzte Wohnungsbau, bisher die Stütze des Marktes: „Junge Familien treten als Bauherren derzeit praktisch gar nicht auf. Viele warten auf die angekündigte Förderung, einige weichen auf den Gebrauchtmarkt aus“, so Badde während der Herbst-Immobilienpressekonferenzen seines Instituts. Aber auch bei den Mietwohnungen wird es eng. Von den 48.000 Neubauwohnungen des laufenden Jahres entfallen 28.000 auf Ein- und Zweifamilienhäuser. Dazu kommen die Eigentumswohnungen, die zu 70 Prozent von den Erwerbern selbst genutzt werden. So stehen dem Markt kaum noch neue Mietwohnungen zur Verfügung.

Badde forderte deshalb eine zügige Einbeziehung des Wohneigentums in die Förderung der Altersvorsorge: „Das Wohneigentum wird von 93 Prozent der Bevölkerung als geeignetste Altersvorsorge angesehen – aus gutem Grund: Ein Zwei-Personen-Haushalt hat im Alter monatlich 632 Euro ersparte Miete mehr zur Verfügung.“

An zu hohen Preisen liegt die Zurückhaltung der Verbraucher jedenfalls nicht: Bauen ist in Deutschland in den letzten zehn Jahren nur um knapp vier Prozent teurer geworden, während die Einkommen um über 17 Prozent stiegen. Auch auf dem Gebrauchtmarkt, der inzwischen den Neubau um das Dreifache übertrifft, sind Immobilien derzeit deutlich unterbewertet. „Während der Wert sich bei uns seit Anfang der 90-er Jahre kaum bewegt hat, haben sich die Preise für Eigenheime im europäischen Ausland teilweise verdreifacht“, so Badde. Das gängige Vorurteil, die Niederländer bauten deutlich billiger, gilt somit nicht mehr – inzwischen zahlen die westlichen Nachbarn durchschnittlich mehr als die Deutschen.

Der Wohnungsmarkt in den Regionen Im Regierungsbezirk Münster werden bis zum Jahresende 7.400 Neubauwohnungen fertig gestellt, knapp 400 weniger als im Vorjahr. Davon entsteht mit 5.300 Wohnungen der weitaus größte Teil in Eigenheimen, weitere 900 Einheiten sind Eigentumswohnungen. Für das kommende Jahr rechnet die LBS mit einer kurzzeitigen Erholung, die aber im wesentlichen aus der Bauantragsflut vor Abschaffung der Eigenheimzulage resultiert.

Im Regierungsbezirk Detmold werden im laufenden Jahr 6.800 neue Wohnungen fertiggestellt, knapp 500 weniger als 2005. Mit 4.800 Wohnungen ist der Eigenheimsektor traditionell stark vertreten, zumal unter den 2.000 Geschosswohnungen 800 Eigentumswohnungen sind. Für das kommende Jahr wird mit einem Rückgang um 200 Einheiten gerechnet, damit ist die Entwicklung im östlichen NRW relativ konstant.

Die Zahl der Neubauwohnungen im Regierungsbezirk Arnsberg geht im laufenden Jahr auf 7.400 erneut zurück. Das sind noch einmal knapp 500 weniger als im Vorjahr. Mit 5.200 Wohnungen sind die Eigenheime am stärksten vertreten. Die restlichen 2.200 Einheiten verteilen sich je zur Hälfte auf Eigentumswohnungen und sonstige Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Die Abschaffung der Eigenheimzulage sorgte im Bezirk für einen Run auf die Bauämter. Die dabei ausgesprochenen Baugenehmigungen werden für eine vorübergehende Umkehr des Abwärtstrends sorgen, im kommenden Jahr werden voraussichtlich 7.700 Wohnungen fertiggestellt.

In den Städten des Regionalverbands Ruhr kommen bis Ende 2006 rund 9.100 Neubauwohnungen auf den Markt, 400 weniger als im Vorjahr. Mit 2.200 Geschoss-Wohnungen und zusätzlich 1.300 Eigentumswohnungen ist der Mehrfamilienhausbereich in den Metropolen relativ stark vertreten. Dennoch ist der Eigenheimsektor mit 5.600 Einheiten auch hier deutlich stärker. Für 2007 erwartet die LBS 9.400 neue Wohnungen, hier macht sich der Vorzieheffekt aus der abgeschafften Eigenheimzulage bemerkbar.

Im Regierungsbezirk Düsseldorf werden zwischen 2005 und 2007 jeweils rund 10.200 Wohnungen fertiggestellt. Dabei dominieren deutlich die Eigenheime und Eigentumswohnungen: Sie stellen im kommenden Jahr 6.400 bzw. 1.800 Einheiten.

Bis zum Jahresende rechnet die LBS im Regierungsbezirk Köln mit 12.000 neuen Wohnungen, das sind 300 weniger als im Vorjahr. In 2007 werden es dagegen vermutlich 12.600 sein, weil durch den Endspurt auf die Eigenheimzulage viele Baugenehmigungen auf Halde liegen. Mit 8.000 Wohnungen stellt der Eigenheimbereich fast zwei Drittel des Neubaus, hinzu kommen 2.000 Eigentumswohnungen.

Quelle: LBS

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